BasiliskII, SheepShaver und PearPC

Emulatoren sind eine Leidenschaft von mir. Sie erlauben es, alte Software zu betreiben, ohne auch die dazu nötige Hardware bereithalten zu müssen. Es kann ja nicht jeder so bekloppt sein, wie ich und alte Computer sammeln...

Leider werden alle drei Emulatoren seit 2005 nicht mehr wirklich aktiv weiterentwickelt. Es gibt ab und zu noch Patches, aber es ist nicht damit zu rechnen, daß sich der jetzige Zustand in Zukunft noch stark ändert. Wobei ich nicht sagen will, daß die Emulatoren völlig unbrauchbar wären, aber erwarten Sie nicht, daß sie unter Vista oder MacOS 10.5 einwandfrei laufen. Ich hatte zwar keine Probleme unter Windows XP, SuSE 10.1 oder MacOS 10.3.9, aber diese Betriebssysteme sind nunmal nicht mehr Stand der Technik.

PearPC

Dieser Emulator simuliert die Hardware eines PowerMac G3 oder G4. Auch Altivec wird experimentell unterstützt und auf SSE2/SSE3 abgebildet. Dieser Emulator ist für MacOS X gedacht. Ich selbst habe auf meinem PearPC MacOS 10.3.5 installiert und dann per Software-Aktualisierung auf 10.3.9 hochgezogen.

Der Emulator ist wunderbar stabil, nur leider ziemlich langsam. Nun, ja, ein G4 ist ja auch heute noch ein relativ schneller Prozessor und der Emulator muß den G4 Prozessor on the fly auf einem x86-Prozessor simulieren. Das kann dann (im schlimmsten Fall) um einen Faktor 100 langsamer sein! PearPC verfügt aber über ein JIT-Compiler (just in time) - bei Bedarf wird also die PPC Maschinensprache zur Laufzeit in einen Zwischencode umgewandelt, der sich viel leichter und schneller auf einem x86-Prozessor simulieren läßt.

Trotzdem erachte ich die langsame Geschwindigkeit des Emulators neben dem Fehlen der Sound-Unterstützung für das größte Manko.

BasiliskII

Einen Motorola 68040 zu emulieren, ist dagegen weit weniger schwer. Basilisk tut dies. Und nicht nur das! Auch er verfügt über einen JIT-Compiler - aktiviert man diesen, dann fliegt das MacOS! Ehrlich: so schnell habe ich noch nie ein MacOS 7.5.5 booten sehen.

Und das Beste: Auch Sound funktioniert. Ich habe viele alte Spiele ausprobiert und viel Spaß dabei gehabt.

Allerdings bedarf es zum Betrieb dieses Emulators einiger Vorbereitung. Zuerst braucht man mal einen solchen alten Mac - zumindest die ROMs davon. Ein ROM (read only memory) enthält das erste Programm, welches ein Computer auführt - beim PC heißt sowas BIOS. Man kann so ein ROM aus einem alten Mac auslesen oder man kann auch versuchen, sowas im Internet zu finden. Viel Glück! Apple ist natürlich erpicht darauf, diese Praktiken zu unterbinden.

Basilisk kann verschiedene 32-Bit Macs (vom SE/30 bis zum Quadra) emulieren und es laufen die Betriebssysteme System 6, System 7 und MacOS 7.5 bis 8.1.

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt - hin und wieder muß man mit Abstürzen rechnen. Aber ganz ehrlich: Damals haben wir auch oft genug (manchmal mehrfach am Tag) den Fehler 11 gesehen oder erlebt daß die Maus nicht mehr zuckte. Ich denke, daß viele dieser Abstürze nicht am Emulator liegen, sondern an MacOS und seinen Applikationen.

Leider ist es mir nicht gelungen, native AppleTalk zum Laufen zu bekommen. Dazu braucht der Emulator nämlich heftige Unterstützung vom beherbergenden Betriebssystem. Da aber TCP/IP kein Problem darstellte, konnte ich zumindest AppleShareIP hinbekommen. Diesem Thema habe ich am Ende einen eigenen Absatz gewidmet.

SheepShaver

Was soll ich sagen - SheepShaver ist sozusagen der Bruder des Basilisk, diese beiden Emulatoren teilen sich einen großen Teil des Programmcodes. Nur emuliert SheepShaver einen PowerPC Prozessor. Daher sind meine Erfahrungen auch hier gut - und es laufen auch viel mehr neuere Programme auf PPC im Vergleich mit 68k.

SheepShaver unterstützt alle PCI PowerPC Macs, angefangen beim 7200/75 bis hin zum G4 (allerdings ohne MMU). Es laufen alle Betriebssysteme von MacOS 7.5.2 bis 9.0.4. Ab 9.1 setzte Apple eine MMU verpflichtend voraus.

Für MacOS 7.5.2 bis 8.1 braucht man ein sogenanntes "old world" ROM, also von einem PowerMac 7200, 7500, 8500 oder 9500. Ab MacOS 8.5 gehen auch ROMs von moderneren ("new world") Macs wie dem iMac. Das ist deshalb besonders praktisch, weil Apple in Wirklichkeit keine ROMs mehr verbaut hat, sondern EEPROMs, die man nachträglich "flashen" kann. Somit tut Apple Inc. uns den Gefallen und verteilt den Inhalt von ROMs in Form von Software Updates.

Nun aber hat man eine andere Schwierigkeit: Alle Betriebssysteme ab MacOS 7.6.1 sind nicht frei erhältlich. Zwar hat man nun freien Zugang zum ROM, aber dafür muß man das MacOS kaufen.

Naja, für irgendwas muß E-Bay ja gut sein.

AppleShare IP unter MacOS 7.5.5

Apple Inc. stellt MacOS 7.5.5 frei zum Download zur Verfügung. 7.5.5 funktioniert sowohl mit 68k Macs als auch mit den ersten PowerPC Macs.

Für mich hat MacOS 7.5.5 sowieso besondes nostalgischen Character, weil ich es in meiner Zeit bei der Pirmasenser Zeitung lange eingesetzt und betreut habe. Der Weg führte mich hier von 7.5.1 (das noch praktisch identisch war bei 68k und PPC) über 7.5.2, welches nur für die ersten PPC Macs mit PCI-Slots gedacht war, über 7.5.3 (via 7.5 Update 2.0) bis hin zu 7.5.5. Dabei sind wir dann eine ganze Weile geblieben - never change a running system!

Da, wie ich bereits erwähnte, AppleTalk (ein eigenes Ethernet-Protokoll von Apple) in der Emulation große Schwierigkeiten machte, besann ich mich eines anderen Tricks, um zumindest AppleShare (das File-Sharing-Protokoll von Apple) ans Laufen zu bekommen. Seit MacOS 8.0 war es nämich möglich, AppleShare statt über AppleTalk auch über TCP/IP zu benutzen. Bei der Pirmasenser Zeitung hatten wir aber einen Weg gefunden, dies bereits auch unter 7.5.5 zu benutzen (tausend Dank dafür an Thomas)!

Hier das Rezept: Man nehme OpenTransport 1.3.1, patche es, so daß es auch unter MacOS 7.5.5 installiert (es behauptet, daß es erst ab 7.6.1 funktioniert - so ein Schmarrn) und gebe dann noch die Systemerweiterung AppleShare in Version 3.8.1 (kommt aus MacOS 8.0 oder 8.1, glaube ich) dazu.

Jetzt stellt sich eigentlich nur noch die Frage, wie man diese Software aus dem herausextrahiert, was Apple als Download anbietet! OT-1.3 steckt im MacOS 8.1 Update, das Update auf 1.3.1 gibt's ebenfalls bei Apple. Mit dem tomeviewer (tome - Apple-eigenes Archivformat für MacOS Installer) kann man einzelne Dateien (z.B. die AppleShare Systemerweiterung) extrahieren.

Aber das muß ich erst noch ausbaldovern.

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Copyright 2008 Peter Koch